Die "hohe Kunst" des Motorbootfahrens...
Eine grundlegende Einführung in die Thematik
Vorwort:
Ob Segelboot- oder Motorbootschippern: die Voraussetzungen sind die gleichen. Neben Kenntnissen der Verkehrsregeln auf dem Wasser, der gängigsten Seemannsknoten und der Navigation gehört ein leichtes bis ausgeprägtes Naturinteresse, ein gewisser Hang zur "Seefahrerromantik" und ein gehöriges Maß an Leidensfähigkeit zu den bevorzugten Eigenschaften eines erstklassigen "Hobbyseemanns". Als gestandener Ehemann bringt man naturgemäß die besten Voraussetzungen mit...
Diese Seite stellt kein Lehrbuch dar, sondern beschreibt aus meiner ganz persönlichen Sicht die Reize des Motorbootfahrens. Die unten ausgeführten Erläuterungen gelten ganz allgemein für jede Tour. Auf die Besonderheiten der Törns wird bei jeder Tourbeschreibung im Einzelnen eingegangen.
Motorboot fahren ist gänzlich anders als Segeln - hat aber auch seinen ganz eigenen Reiz. Durch das Fehlen des Kiels fährt sich das Motorboot nicht so Richtungsstabil wie ein Segler. Bei enger Kurvenfahrt "driftet" man mehr oder weniger durch das Wasser. Der Seitenwind hat größere Auswirkungen auf den Kurs als bei der segelnden Konkurrenz. Je stärker der Seitenwind, umso schwungvoller müssen An- und Ablege Manöver gefahren werden. Das ist die eigentliche Herausforderung beim Motorboot fahren. Naturgemäß fährt man unter laufender Maschine - es dröhnt und vibriert die ganze Tour lang. So ein "Aaaah - diese Ruhe"-Erlebnis wie beim Segeln gibt es nicht. Das Boot hat von hinten bis vorn fast die gleiche Breite (vom vordersten Meter Bug mal abgesehen), so dass im Innenraum eines Motorboots im Verhältnis zu einem gleichlangen Seglers wesentlich mehr Platzangebot existiert. Alles ist größer - oft gibt es sogar einen Backofen und eine fast vollwertig eingerichtete Küche (auch Pantry genannt). Mit dem Platzangebot wachsen allerdings auch die Anforderungen an den Koch...
Bevorzugtes Fahrrevier für das Motorboot sind die Binnenseen oder Kanäle - weniger die offene See. Man kann z. B. durch Frieslands Kanäle und Binnenseen schippern und anlegen wo man will. Tatsächlich darf man nicht überall übernachten, aber es gibt reichlich Anlegestellen in der freien Natur. In praktisch jedem Ort gibt es Möglichkeiten der Übernachtung - meist mit Versorgungsmöglichkeiten für Boot und Mannschaft. Das Motorboot fahren ist weitgehend wetterunabhängig, so dass eine Tour bis ins Kleinste geplant werden kann. Brückenöffnungszeiten bzw. Bedienzeiten der Schleusen können im Almanach nachgelesen werden. Im Gegensatz zum Segeln bekommt man mehr zu sehen - die Landschaft gleitet gemütlich an einem vorbei. Im Gegensatz zum Segeln ist die körperliche Anstrengung wesentlich geringer.
Der ideale Kapitän: gibt es eigentlich nicht (außer Käpt'n Anja!!!). Ist es dem Kapitän nicht gelungen schon vor der Tour ein "faules Ei" auszusondern, dann muss er sich noch ganz schön anstrengen, damit die Tour mit einem positiven Gesamteindruck in die Geschichte eingehen wird. Ein gewiefter Käpt'n ist schon bei der üblichen Vorbesprechungsfete in der Lage, die gröbste Spreu vom Weizen zu trennen. Wird einem der Seemannsaspiranten schon beim Zusehen der üblicherweise gezeigten alten Tourvideos schlecht - dann sollte der angehende Käpt'n sich reiflich überlegen, ob er auf diesen Mann verzichten kann wenn's mal hoch hergeht. Meine Erfahrung als Käpt'n: wenn einer (oder eine) mitfährt, auf den/die 100% Verlass ist - so reicht das bei kleineren Booten aus. Ist der Kahn doch eine Nummer größer (über 12 Meter) so sollte sich noch eine zweite erfahrene Person finden lassen. Als Kapitän kennt man normalerweise seine "Pappenheimer" und weiß was auf einen zukommt. (Die Novizen wissen das nicht - so soll's sein!!)
Die ideale Mannschaft: gibt es eigentlich auch nicht. Als Seemann muss man als Käpt'n nehmen was kommt - hinterher ist man immer schlauer. Normalerweise setzt sich so eine Mannschaft immer aus Freunden und Bekannten zusammen (wobei das mit der Freundschaft nach der Tour so eine Sache sein kann). Meine Erfahrungen sind 100% positiv. Im Nachhinein waren alle Touren irgendwie anders - aber ich denke an alle gerne zurück! Im Laufe jeder Tour stellt sich heraus, wer welche Stärken auf welcher "Arbeitsposition" entwickelt. Als Käpt'n sollte man nicht unbedingt an die vorher festgelegten Positionen für die Mannschaftsmitglieder festhalten sondern den Dingen freien Lauf lassen - manches regelt sich von alleine...
Die "klassische" Arbeitsaufteilung an Bord:
Der Kapitän - nominell die wichtigste Person an Bord. Muss alles können - sollte die Tour planen, im Interesse der Allgemeinheit die richtige Mischung zwischen "Demokratie" und "Diktatur" finden. Das letzte Wort hat stets der Kapitän - denn sollte es gröbere Probleme auf der Tour geben, muss letztendlich er seinen Kopf hinhalten ...
Der Smutje - die (tatsächlich) wichtigste Person an Bord. Ein Kapitän ist ja noch ersetzbar (sofern noch ein anderes Mannschaftsmitglied halbwegs lesen und schreiben kann...), aber ein guter Koch ist eher eine Rarität! Die Ansprüche an die Kochkunst sind ausgeprägter als beim Segeln - siehe oben. Als Hobbykoch kann ich nur sagen - Kochen auf dem Motorboot ist beinahe schon wie daheim. Mit 2 oder 3 Gasflammen kann man schon was Feines zaubern (siehe die 50er-Tour!).
Der Steuermann - auch ein netter Job. Er benötigt das gewisse Feingefühl für das Fahren. Allerdings sind die Ansprüche an den Steuermann beim Motorboot fahren nicht so ausgeprägt wie beim Segeln. Nur beim An- / Ablegen sieht das anders aus...
Der Navigator - sozusagen die "Intelligenzbestie" bzw. der "Intellektuelle" an Bord. Muss 1 und 1 zusammenzählen können (also immer Ersatzbatterien für den Taschenrechner zur Hand haben!). Dieser Job verliert auch in heutigen Zeiten der Sattelitennavigation nicht an Bedeutung. Beim Fahren durch Binnenrevieren reicht meist die Navigation mittels Karte aus. Lese- und Schreibkenntnisse sind erwünscht! Mitunter ist es von Vorteil wenn man in der Lage ist vor dem Anlaufen ungekannter Häfen einen Blick ins Hafenhandbuch zu werfen. Die Verwunderung hält sich dann vermutlich in Grenzen, wenn man mit einem Schiff mit 2 Meter Tiefgang in einem Hafenbecken mit 1,60 Meter Wassertiefe auf Grund laufen sollte...
Bootsmann und Leichtmatrose - Mädchen für alles: Wasser holen, Bier holen, beim Anlegen an Land springen und die Festmacher belegen usw.
Der "Moses" - wie Bootsmann und Leichtmatrose - allerdings auf der ersten Fahrt. Da er nicht fest im Bordleben verplant ist hat er Gelegenheit und Muße sich das "ganze Elend" des Bordlebens anzusehen und seine Lehren und Schlüsse zu ziehen. Falls es eine nächste Tour geben sollte, so ist man dann automatisch zum Leichtmatrosen befördert...
Der Zahlmeister - ein ungeliebter Posten. Bei einer Crew, die locker und "gut drauf" ist (und mit "Augenmaß" kalkuliert) kein Problem. Wenn irgendwo ein Pfennigfuchser dabei ist, so ist der Zoff vorprogrammiert. Dem kann man nur aus dem Wege gehen, indem der Käpt'n diesen zum Zahlmeister ernennt...
Der Paparazzo bzw. Schriftführer - wichtig für die Aufarbeitung der Tour im Nachhinein. Auf der Tour von Jedermann gehätschelt und umschwärmt (damit man auch nur von seiner Schokoladenseite beschrieben wird...). Falls es bei einer größeren Besatzung möglich ist, sollte der Schriftführer im Sinne einer "lückenlosen" Berichterstattung von der üblichen Bordroutine freigestellt sein.
Der Sommelier und Getränkesteward - verantwortlich für alle Arten von Getränken. Fast so wichtig wie der Smutje! Noch Fragen?!
Ob die Crew nun aus 2 oder 20 Figuren besteht - die "klassische" Arbeitsaufteilung findet sich immer wieder. Bei kleineren Mannschaften übernimmt jeder mehrere Funktionen...